Business Modelle : die notwendige Suche nach Kohärenz
In diesem Jahr sind es nun schon neun Jahre her, dass ich das Privileg habe, im DAS Kulturreflexives Management an der Universität Basel „neue Businessmodelle im Kultursektor“ zu unterrichten. Warum habe ich mich vor fast zehn Jahren für dieses Thema interessiert, das heute zunehmend an Bedeutung und Relevanz gewinnt?
Kohärenz und Alignement

Photo _ Buro_Biennale Kochi_2019
Was mich dank der vom Business Model Canvas gebotenen Perspektive zunächst interessierte, war die Arbeit mit einem Begriff, der mir einen globalen Überblick über Organisationen verschaffte: natürlich über ihr Wertangebot (das „Mission Statement» der Organisation und die Vision, die sie leitet), aber auch die Kohärenz zwischen ihren Aufgaben und der Art und Weise zu hinterfragen, wie die Organisation arbeitet, ihre kulturellen und künstlerischen Projekte produziert, Mitarbeiter anstellt, kommuniziert, Beziehungen zu ihrem Publikum aufbaut, Zusatzdienstleistungen anbietet usw. Sobald dieser Ansatz feststand, tauchten eine Vielzahl von Fragen auf, die mich letztendlich alle dazu brachten, über die „Kohärenz“ der Organisation nachzudenken.
Weil es nicht nur darum geht, neue Einnahmequellen zu finden oder ein „Geschäftsmodell“ umzugestalten. Es geht vor allem darum, das Ganze neu oder anders zu überdenken.
Die Kohärenz zwischen dem, was wir künstlerisch und kulturell anbieten – was biete ich meinem Publikum? Welche Rolle spiele ich in meiner Umgebung ? – und der Art und Weise, wie wir unsere Organisation gestalten: Was sind unsere Werte? Wie sieht unsere Unternehmenskultur aus? Wie arbeiten wir zusammen? Wie produzieren wir ? Welche Beziehungen pflegen wir zu unseren Partnern und Dienstleistern?
Diese Frage der Gesamtorganisation rückt in den Mittelpunkt. Sie berührt zutiefst die Frage nach dem Sinn, den wir angesichts einer Welt brauchen, die ins Wanken geraten ist und sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet.
Wie können wir von Resilienz und Fürsorge sprechen, wenn das Team sich unwohl fühlt ? Wie können wir Inklusion verteidigen, ohne dass unsere Teams die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln? Wie können wir nachhaltige Entwicklung befürworten und gleichzeitig Praktiken und Produkte beibehalten, die damit kaum vereinbar sind?
Diese Diskrepanzen können das Vertrauen schwächen und vor allem die Kohärenz der Organisation infrage stellen.
Die Angst vor der Veränderung umgehen…
Der große Haken: Eine Organisation „transformieren“ ist ein heikles Thema. Es kann eine Organisation auf den Kopf stellen.
Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Instrumente ausprobiert, um diese Veränderungen zu begleiten, insbesondere solche, die aus der U-Theorie und anderen Veränderungsansätzen stammen. Doch Instrumente allein reichen nicht aus.
Das Wesentliche besteht oft darin, die tief in uns verwurzelte Angst vor Veränderungen zu überwinden: zu beobachten und zu spüren, was sich um uns herum verändert, dann die eigene Organisation und ihre Dynamiken zu betrachten, zu erkennen, was losgelassen oder aufgegeben werden muss, um Platz für neue Möglichkeiten zu schaffen, und die Teams so zu begleiten, dass der Fokus auf Kohärenz und dem wiedergefundenen „Flow“ liegt, auf eine „bessere“ Zukunft – und nicht auf der Angst.
Genau hier wird dieser globale Anstatz meiner Meinung nach weit mehr als nur ein Managementthema: er bietet eine Opportunität, die Kohärenz zwischen Sinn, künstlerischem oder kulturellem Projekt und Management – im breiten Sinn – neu zu überdenken.
Ich freue mich auf neue Fragen und neue Herausforderungen !